Sicherheitsbefragung 2024

  
Die Stadt Offenburg hat zwischen dem 08. Juli und 19. August 2024 eine großangelegte Sicherheitsbefragung durchgeführt, um die Zufriedenheit und das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu erfassen und zu verbessern. Ziel der Befragung war es, ein umfassendes Bild der aktuellen Sicherheitslage in der Stadt zu erhalten und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit zu entwickeln.
 
Unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Offenburg wurden 15.000 Personen ab 14 Jahren zufällig ausgewählt.
 
Mit 34,4 Prozent liegt der Rücklauf ganz erheblich über dem Durchschnitt anderer Sicherheitsbefragungen in Baden-Württemberg. Dies weist auf ein sehr hohes Interesse der Offenburgerinnen und Offenburger an den Belangen ihrer Stadt hin.
 
Die Sicherheitsbefragung wurde vom Kriminologischen Institut der Hochschule Heidelberg sowie dem Institut für Kriminologische Forschung Baden-Württemberg (KriFo BW) durchgeführt und die Ergebnisse liegen uns nun als Gutachten vor.
 
Wir bedanken uns für die ausgesprochen große Teilnahme! Ihre Rückmeldungen helfen uns, ein gesamtheitliches Bild zu erhalten und die Sicherheit sowie das Sicherheitsempfinden in Offenburg zu verbessern!
 

  • Die subjektive Sicherheitslage in Offenburg ist gut, sie kann aber unter Berücksichtigung der Befunde dieser Sicherheitsbefragung noch verbessert werden.
  • Die Lebensqualität in Offenburg wird als gut bis befriedigend bewertet und liegt auf dem gleichen Niveau wie Heilbronn.
  • Die Kriminalitätsfurcht in Offenburg liegt etwa auf dem Niveau von Heilbronn und Stuttgart. Heilbronn ist eine der sichersten Städte in Baden-Württemberg. Das Furchtniveau ist niedriger als in Pforzheim und Mannheim, aber höher als in Heidelberg. Dies ist vor dem Hintergrund der hohen Häufigkeitszahl (relativ viele Delikte je 100.000 Einwohner*innen im Landesvergleich) der polizeilichen Kriminalstatistik für Offenburg ein gutes Ergebnis für die Stadt. Zumal die dortigen Befragungen teils noch vor den multiplen Krisen (Ukrainekrieg, Corona, Inflation/Energiepreise, etc.) durchgeführt wurden, die ihrerseits Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht hatten und haben, wie das Gutachten ausführt.
  • Die Ursachen der Kriminalitätsfurcht der Offenburger Bürgerinnen und Bürger ist insbesondere durch teils auch subjektiv empfundene Störungen der sozialen Ordnung („Incivilities“), wie Respektlosigkeit, Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr, Müll und Schmutz sowie Drogenkonsumierende und Betrunkene im öffentlichen Raum bedingt - weniger jedoch durch eine Angst vor Opferwerdung. Auch fehlendes Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen sind eine Ursache für Kriminalitätsfurcht in Offenburg.
  • Sowohl die Innenstadt als auch die Gesamtstadt erfordern eine Aufbesserung ihres Images. So fühlten sich Menschen, die häufiger in der Innenstadt unterwegs waren, sicherer als solche, die sich selten in der Innenstadt aufhalten.
  • Präsenz der Polizei und Gemeindevollzugsdienst wird positiv wahrgenommen – deshalb grundsätzlich eigentlich keine Veränderung bzgl. der Präsenz erforderlich.
  • Knapp 30 % der Befragten wünschten sich zur Verbesserung der Lebensqualität: „Schaffung von Sicherheit durch bessere Konzepte, insbesondere mehr Präsenz und Kontrollen durch Polizei, Städtischer Ordnungsdienst, Kontrolle von Fahrgeschwindigkeiten, Parkverstößen, Vorgehen gegen rücksichtsloses Fahrverhalten, konsequentere Ahndung von Normverstößen“.
 

  • Regionale Schwerpunkte setzen: Nordstadt, Innenstadt, insbesondere Bahnhof/ZOB
  • Zielgruppen beachten: Junge Frauen haben tendenziell eine besonders hohe Kriminalitätsfurcht, insbesondere wenn noch ein Migrationshintergrund vorliegt. Des Weiteren normkonforme und traditionsorientierte Personen.
  • Benannte Ursachen und Bedingungen hoher Kriminalitätsfurcht angehen wie z.B. 
    • Respektlosigkeit, alkoholisierte Personen und andere „Incivilities“ – z.B. durch restriktive Maßnahmen sowie die generelle Umgestaltung und städtebauliche Aufwertungen des Bereichs Bahnhof und ZOB, was bereits in Planung ist. Incivilities sind subjektiv empfundene Störungen der sozialen Ordnung.
    • Misstrauen gegen Institutionen - z.B. durch vertrauensbildende Maßnahmen für Kommunalpolitik und vertrauensbildende Maßnahmen für Menschen in der Nachbarschaft in der Weststadt, Nordstadt, Südweststadt und Innenstadt – weitere Stärkung des Sozialkapitals (nachbarschaftliche Netzwerke uvam.)
    • Stereotype Vorstellungen über die vermeintlich unsichere Innenstadt angehen.
  • Anpassung bestehender Präventionsmaßnahmen an veränderte Zielgruppen, wie z.B. Informationskampagnen zu Telefonkriminalität, die bislang primär an Senior*innen gerichtet war, auch an jüngere Menschen ausrichten.
  • Bekanntheit kriminalpräventiver Maßnahmen erhöhen und Argumente für deren Wirksamkeit liefern.
 

Mit dem Sicherheitsaudit wurde die Grundlage für weitere Vorgehensschritte gelegt. Das Gutachten zeigt, wo am effektivsten Schritte unternommen werden sollten, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu steigern. Dies ist wird nun in den nächsten Monaten konkretisiert, dem Gemeinderat präsentiert und angegangen. Im Rahmen eines weiteren Sicherheitsaudits in 2028 soll eine erste Überprüfung über die Wirksamkeit der bis dahin getroffenen Maßnahmen erfolgen.
 
Das folgende Schaubild zeigt die einzelnen Schritte:
 
 
 
 
 

  • Kommunaler Ordnungsdienst mit Straßensozialarbeit
    • Auch wenn im Rahmen des Sicherheitsaudits insgesamt der Polizei und dem Gemeindevollzugsdienst eine hohe „Wahrnehmbarkeit“ bescheinigt wird, wird von einem großen Teil (knapp 30 %) der Bevölkerung eine zusätzliche Präsenz von Sicherheitskräften z.B. durch einen Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) als eine geeignete Maßnahme gesehen, um die Lebens- und Aufenthaltsqualität gerade in der Innenstadt sowie im Bahnhofsumfeld zu steigern. Aber auch die Kontrolle des Park- und Straßenverkehrs wird als besonders dringlich angesehen. Dabei soll der KOD durch zusätzliche Straßensozialarbeit ergänzt werden – das Sicherheitsaudit zeigt, dass dies eine wichtige Maßnahme sein könnte, um gerade Kriminalitätsfurcht auslösende Faktoren wie Respektlosigkeit u.ä. anzugehen. Hierzu sind bereits Vorlagen in der Bearbeitung. Einen konkreten Vorschlag zur Einführung eines Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) mit ergänzender Straßensozialarbeit wird dem Haupt- und Bauausschuss am 10.02.2025 unterbreitet. 
  • Die städtebauliche Umgestaltung des Bahnhofumfelds ist im Rahmen des Sanierungsgebietes Bahnhof / Schlachthof ebenfalls bereits in Planung.
  • Parallel wird eine ggf. KI-gestützte Videoüberwachung insbesondere im Bahnhofsumfeld, welches auch im Sicherheitsaudit als besonderer Ausgangspunkt für Kriminalitätsfurcht benannt wurde, geprüft und konzipiert und dem Gemeinderat voraussichtlich Ende 2025/Anfang 2026 vorgestellt.
  • Weitere Präventionsvorschläge aus dem Gutachten sowie weitere Maßnahmen, die zur Verbesserung der subjektiven Sicherheit führen können, werden mit allen relevanten Akteuren der Kriminalprävention erarbeitet, geprüft, bewertet und priorisiert. Einfach und innerhalb der Zuständigkeit der Verwaltung umzusetzende Maßnahmen werden schnellstmöglich angegangen. Alle weiteren Maßnahmen werden voraussichtlich Ende 2025 / Anfang 2026 dem Gemeinderat vorgestellt.
 

Bei der Sicherheitsbefragung geht es der Stadt Offenburg darum, die gefühlte Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu erfahren. Dieses Gefühl unterscheidet sich häufig von den objektiven Kriminalitätszahlen der Polizei. In der Sicherheitsbefragung haben die Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, der Stadt ihre subjektive, persönliche Meinung zur Sicherheit in ihrem Stadtteil und in der Gesamtstadt mitzuteilen.
 

Wir planen 2028 nochmal eine Sicherheitsbefragung durchzuführen. Damit wird es möglich, die Wirksamkeit unserer Maßnahmen zu prüfen.
 

Die Gewinnerinnen und Gewinner werden von uns Mitte Januar per Mail oder per Brief benachrichtigt.