Perfide Schock-Anrufe-Masche: Stadt und Polizei wollen sensibilisieren und zu erhöhter Wachsamkeit aufrufen
Unter enormem emotionalen Druck können die meisten Menschen nicht mehr rational denken. Und genau das nutzen Betrüger für ihre perfide Schock-Anrufe-Masche aus. Die Stadt Offenburg will in Zusammenarbeit mit der Polizei sensibilisieren und zu Wachsamkeit aufrufen.
Das Telefon klingelt. Sie heben ab, es meldet sich eine Polizeidienststelle. Ein Polizist erklärt Ihnen, dass eine nahe Verwandte einen schrecklichen Autounfall gehabt und ein Kind überfahren habe. Da Sie nicht sicher sind, welche Verwandte der Polizist meint, fragen Sie nach, ob es sich um Lena handle. Der Polizist bestätigt dies und schildert Ihnen den Tathergang. Lena habe wohl während der Fahrt an ihrem Handy gespielt und ein Stoppschild übersehen. Hierbei erfasste sie ein Kind auf dem Fahrrad, welches nun seinen Verletzungen erlegen sei. Im Hintergrund hören Sie Schreie und das verzweifelte Weinen von Lena. Unter Schock wird Ihnen von Seiten der Polizei erklärt, dass Lena nun in den Strafvollzug müsse, jedoch gegen eine Kaution von 25.000 € freikommen könne. Sie können nicht mehr klar denken – Ihre Gedanken sind nur noch bei Lena und welches Leid sie gerade durchmachen muss. Sie hat ein Kind totgefahren.
Sie stehen unter emotionalem Stress und teilen der Polizei mit, wieviel Vermögen Sie aufbringen können. Alles in der Hoffnung, Lena damit helfen zu können. Der Polizist bittet Sie, dass Sie am Telefon bleiben, da sonst das Angebot einer Kaution erlischt. Sie suchen währenddessen Schmuck, Bargeld und weitere Wertgegenstände zusammen. Der Polizist teilt Ihnen mit, dass sich der zuständige Staatsanwalt mit Ihnen am Justizzentrum treffen und Ihre Kaution für Lena entgegennehmen wird.
Sie folgen den Anweisungen und begeben sich zu dem vereinbarten Treffpunkt. Dort treffen Sie den Staatsanwalt an und überreichen Ihm die Kaution, bevor dieser wieder in sein Büro verschwindet. Von der Polizei oder Lena hören Sie nichts mehr, aber Ihre Wertsachen sind weg.
Sie sind Opfer einer Betrugsmasche geworden.
Auch wenn Sie nun sagen, auf so etwas würden Sie nie reinfallen: Unter enormem emotionalen Druck können die meisten Menschen nicht mehr rational denken. Und genau das nutzen schamlose Betrüger für ihre perfide Schock-Anrufe-Masche aus.
In letzter Zeit häufen sich die Fälle verschiedener Betrugsmaschen, auch direkt bei uns in Offenburg. Die Betrüger versuchen dabei an Bargeld, Schmuck oder andere hochwertige Gegenstände zu gelangen. Die Täter suchen sich besonders häufig Personen über 65 Jahren als mögliche und vermeintliche leichte Opfer aus. Die erfundenen Geschichten sind zwar immer unterschiedlich, im Kern haben sie aber stets einen Zweck: Dank eines aufgebauten emotionalen Stresses an Ihr Vermögen zu gelangen. Die Corona-Pandemie nutzten Täter etwa, um den Opfern Kosten für eine vermeintliche Operation eines Verwandten abzuluchsen.
Aber auch mit Ihrem Sicherheitsgefühl wird gespielt. Die Betrüger warnen hier beispielsweise vor einem vermeintlich geplanten Einbruch und bieten den Betroffenen an, Bargeld oder Wertsachen von einem Kriminalbeamten an einen „sicheren Ort“ bringen zu lassen. Auf dem Telefon des Opfers kann sogar die Notrufnummer 110 oder die der örtlichen Polizeidienststelle angezeigt werden.
Eine weitere Variante ist die Warnung vor Falschgeld, welches überprüft werden muss.
Eine weitere Variante ist die Warnung vor Falschgeld, welches überprüft werden muss.
Für das Jahr 2021 wurden im Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Offenburg über 18 Fälle, 10 davon alleine im Ortenaukreis zur Anzeige gebracht.
Auch der oben beschriebene Fall, der sogenannte „Schock-Anruf“, wird weiterhin häufig bei dem Polizeirevier sowie auch beim Präsidium zur Anzeige gebracht und hat für die Betroffenen meist einen hohen Schaden zur Folge.
Alle 9 angezeigten Fälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg fanden im Ortenaukreis statt.
Ebenfalls warnen wir vor „Falschen Gewinnversprechen“. Hierbei werden die Opfer vor einer Gewinnübergabe dazu aufgefordert, eine Gegenleistung zu erbringen, zum Beispiel „Gebühren“ zu bezahlen, kostenpflichtige Telefonnummern anzurufen oder an Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen minderwertige Ware zu überhöhten Preisen angeboten wird. Bitte bedenken Sie immer: Wenn Sie nicht an einem Gewinnspiel teilgenommen haben, dann können Sie auch nichts gewonnen haben.
Daher ist es der Stadtverwaltung sowie der Polizei ein wichtiges Anliegen, die Offenburger Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention zu sensibilisieren und Sicherheits-Tipps zu geben.
Bitte seien Sie stets selbst wachsam, aber streuen diese Informationen auch in Ihren Familien- und Bekanntenkreisen. Aufmerksamkeit und eine gesunde Portion Misstrauen sind im eigenen Sinne, aber auch eine gute Möglichkeit, weitere Betrugsfälle zu verhindern und den Tätern einen Riegel vorzuschieben.
Im Zweifelsfall bitte immer die Polizei unter 110 anrufen.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.polizei-beratung.de, sowie direkt beim Polizeipräsidium Offenburg unter Offenburg.PP.Praevention@polizei.bwl.de, telefonisch unter der 0781/21-1041, -4520 und -1040.
